Willis Kraft der Wurzeln – Wenn das Leben den Boden verdichtet
Eckard WulfmeyerWillis Kraft der Wurzeln – Wenn das Leben den Boden verdichtet
Willi erzählt:
Ich heiße Willi. Manchmal fühlt sich die Erde hier oben schwer an. Nicht die gute, feuchte Schwere nach einem Sommerregen, sondern eine harte, leblose Dichte. Wenn ihr da oben nur noch rennt, weil ihr das Gefühl habt, funktionieren zu müssen, bis die Erschöpfung euch den Atem raubt, dann spüre ich das hier unten. Der Boden unter euren Tritten verdichtet sich. Er wird hart wie Beton.

In solchen Momenten ist das Leben auch für mich kein Abenteuer. Wenn der Boden zu fest wird, stürzt ein Gang ein, an dem ich stundenlang gearbeitet habe. Einfach so. Weg. Und wisst ihr was? Manchmal habe ich auch keine Lust, ihn sofort wieder aufzubauen.
Resilienz ist nicht immer das Bild einer stolzen Blume im Wind. Manchmal ist Resilienz einfach nur das nackte Überleben in der Dunkelheit, wenn die Luft knapp wird.
Wir reden oft über Resilienz, als wäre sie eine Superkraft, die uns immer lächeln lässt. Aber die Wahrheit im Garten ist: Nicht alles wird zu Humus. Es gibt Pflanzen, die es trotz aller Pflege nicht schaffen. Es gibt Wurzeln, die am Stein zerbrechen, anstatt ihn zu umwandeln. Und es gibt Dinge im Boden – Plastik, Gift, alter Schutt –, die können wir nicht verwerten. Die bleiben einfach da. Ein dunkler Fleck in der Erde.
Erschöpfung und Dauerstress sind wie diese Verdichtungen im Boden. Sie sind hässlich und sie tun weh. Resilienz bedeutet im Garten nicht, dass man den Schmerz ignoriert. Es bedeutet zu akzeptieren, dass manche Gänge einstürzen. Dass man manchmal innehält, tief in der dunklen Erde, und einfach nur wartet, bis der Druck von oben nachlässt.
Wahre Widerstandskraft wächst aus der Ehrlichkeit zu sich selbst: Heute schaffe ich diesen Gang nicht. Aber ich bleibe hier. Ich atme. Ich warte.

Deine Übung: Den Druck abgeben:
Wenn die Überforderung so groß ist, dass du nur noch „funktionierst“:
- Der Kontakt: Such dir eine Stelle im Garten, die nicht perfekt ist. Ein Haufen altes Laub, eine kahle Stelle.
- Die Geste: Drücke deine flache Hand fest auf die Erde. Spüre den Widerstand.
- Das Loslassen: Stell dir vor, dass dein ganzer Dauerstress: das Müssen, das Sollen, das Funktionieren – wie schweres, graues Wasser aus deinem Arm in die Erde fließt.
- Die Akzeptanz: Sag dir: „Ich muss heute nicht perfekt sein. Auch ein eingestürzter Gang gehört zum Leben dazu.“
Die Härte des Frosts
Resilienz in der Arktis hat nichts Romantisches. Wenn der Frost kommt, stirbt alles Sichtbare ab. Es gibt keinen sanften Übergang. Es ist ein brutaler Stillstand. Die Pflanzen dort oben überleben nicht, weil sie so stark kämpfen, sondern weil sie gelernt haben, sich auf das Wesentliche zu reduzieren. Sie werfen alles ab, was Energie kostet.
Wenn du in der absoluten Stille auf dem Eis stehst, spürst du: Das Leben ist dort nicht weg, es ist nur extrem ehrlich geworden. Es konzentriert sich auf den winzigen Kern, der überdauert. Das ist die nordische Form der Kraft: Zu wissen, was man loslassen muss, um den Winter zu überstehen.
Willi denkt weiter Vielleicht ist dein heutiger „eingestürzter Gang“ gar kein Versagen. Vielleicht ist er ein Zeichen deines Körpers, dass der Boden gerade zu hart ist. Gönn dir die Pause. Wir Würmer warten auch, bis der Regen den Boden wieder weich macht.
Willi sagt: „Weißt du, wenn der Boden zu hart und das Leben zu schwer wird, dann braucht es manchmal Hilfe von außen, damit wir da unten wieder atmen können. In meiner Wurmstube hat Eckard Sachen zusammengestellt, die den Boden nicht einfach nur ‚füttern‘, sondern ihn wieder lebendig machen. Wenn du das nächste Mal meinen Dünger ausbringst, dann sieh es nicht als Arbeit. Sieh es als ein Geschenk an deinen Boden – und an dich selbst. Nimm dir die Zeit, spüre das Material zwischen den Fingern und atme tief durch. Wir lockern die Schichten gemeinsam auf, Gang für Gang. Schau mal vorbei, ich hab da was für dich vorbereitet.“
Besuch Eckard und mich auf www.wurmstube.de , für Boden, der wieder atmen lässt.