Willis Atemzug der Erde – Warum wir im Garten endlich wieder tief luftholen
Eckard WulfmeyerWillis Atemzug der Erde – Warum wir im Garten endlich wieder tief luftholen
Willi erzählt:
Ich heiße Willi.

Ich lebe in einer Welt der Vibrationen. Wenn ihr da oben über den Rasen lauft, spüre ich jeden eurer Schritte wie einen fernen Paukenschlag. Oft sind diese Schläge schnell, hart und gehetzt. Ich merke dann, dass ihr keine Zeit habt. Dass euer Geist schon drei Beete weiter ist, während eure Füße noch am Gartentor stehen.
Aber an manchen Tagen, meistens sind es die, an denen die Sonne das Gold in den Blättern der Obstbäume entzündet, verändert sich der Rhythmus. Die Schritte werden weich, sie halten inne.
Ich schiebe mich dann oft ganz nah an die Oberfläche, dorthin, wo die Erde locker und warm ist. Ich spüre dann, wie sich jemand auf die alte Holzbank setzt. Es ist ein tiefes, schweres Sinken. Und dann passiert das Wunderbarste: Ich höre das erste Mal seit langem wieder euer Atmen. Ein langes, lösendes Ausatmen, als würde eine schwere Last einfach in den Boden abfließen. Die Erde nimmt das auf. Sie hält das aus.
Ihr Menschen seid faszinierend. Ihr habt Lungen, die sich füllen und leeren wie die Gezeiten. Wir Würmer sind da schlichter gestrickt; wir atmen mit unserem ganzen Körper, durch jede Pore unserer Haut. Die ganze Welt berührt uns, und wir lassen sie herein.
Wenn ihr im Garten sitzt und bewusst atmet, passiert etwas Magisches mit eurem Nervensystem. Ihr verbindet euch mit dem Rhythmus des Gartens. Der Garten hat nämlich seinen eigenen Atemzug: Die Pflanzen atmen den Tag ein und die Kühle der Nacht aus. Der Boden atmet durch die Poren, die wir für ihn graben.
Ein gesunder Boden muss atmen können. Wenn er verdichtet ist, wenn kein Sauerstoff mehr hineinkommt, dann ersticken die Mikroorganismen. Dann stirbt das Leben. Genauso ist es bei euch: Wenn ihr nur noch flach und gehetzt atmet, verdichtet sich eure Seele. Ihr braucht diesen inneren Freiraum, dieses Lockern der Schichten, damit das Leben in euch wieder fließen kann.

Um die Ruhe des Gartens wirklich in sich aufzunehmen, lade ich dich zu einer kleinen Übung ein, die Willi und ich oft gemeinsam machen:
Das Ankommen: Such dir einen Platz, an dem du dich sicher fühlst. Es muss kein perfektes Beet sein. Ein einfacher Stuhl oder die Stufen zum Geräteschuppen genügen.
Die 4-7-8-Technik des Gartens: Atme sanft durch die Nase ein und zähle bis vier. Stell dir vor, wie du die frische, erdige Luft bis in deine Wurzeln ziehst. Halte den Atem für sieben Sekunden an. Lass die Ruhe in dir verweilen. Atme dann acht Sekunden lang kräftig durch den Mund aus, als würdest du alles Alte, Verbrauchte wie welkes Laub einfach wegpusten.
Die Verbindung: Wenn du ausatmest, stell dir vor, wie deine Anspannung durch deine Füße tief in die Erde sinkt. Wir da unten kümmern uns darum. Wir verwandeln diesen Stress in Ruhe, so wie wir welkes Grün in dunklen Humus verwandeln.
Sinnes-Check: Was riechst du? Den Duft von feuchtem Gras? Die Süße der späten Rosen? Der Atem trägt diese Informationen direkt in dein Herz.

Lisa erzählt mir oft von der Stille in Lappland. Wenn dort oben die klirrende Kälte einzieht, wird das Atmen zu etwas Sichtbarem. Jeder Atemzug bildet eine kleine, weiße Wolke vor dem Gesicht. Man wird sich des Lebens in jedem Moment bewusst, weil man es sehen kann.
Es ist eine Stille, die nicht einfach nur die Abwesenheit von Geräuschen ist. Es ist eine Stille, die dich einhüllt, ganz sanft, ganz schwer, bis dein eigener Herzschlag zum einzigen Rhythmus der Welt wird.
Stell dir vor, du stehst mitten auf einem dieser riesigen, schlafenden Seen. Unter deinen Füßen liegt das Eis, einen Meter dick, fest und sicher. Es trägt dich. Es hält dich. Und über dir spannt sich der Himmel in einer Unendlichkeit auf, die so weit ist, dass deine Gedanken darin einfach verfliegen. Es gibt kein Gestern mehr. Kein Morgen. Nur diesen einen Moment.
Hier draußen gibt es nichts zu tun. Nichts zu erledigen. Nirgendwohin zu eilen. Du stehst einfach nur da.
Atme ein. Spürst du, wie die klare, eiskalte Luft in dich hineinfließt? Rein und hell. Und wenn du ausatmest, siehst du deinen Atem als kleine, weiße Wolke in der Luft tanzen. Ein sanfter Hauch, der sich langsam auflöst, genau wie deine Sorgen. Mit jedem Atemzug wirst du ein Stück schwerer, ein Stück ruhiger, ein Stück tiefer mit dem Eis unter dir verbunden.
Es ist die radikale Akzeptanz der Ruhe. In der Mitte dieses Sees gibt es keinen Ort, an den du flüchten müsstest, denn du bist bereits angekommen. Die Stille im Kopf wird so weit wie die Eisfläche vor dir. Und während du dort stehst, tief verbunden mit der Erde, spürst du dieses Wissen: Tief unter der massiven Eisdecke, dort im dunklen, stillen Wasser, wartet das Leben. Es schläft nicht. Es ruht nur. Es wartet in vollkommener Sicherheit darauf, dass seine Zeit kommt.
Du lernst hier, der Stille zu vertrauen. Du lernst, dass in dieser Leere keine Einsamkeit liegt, sondern die Kraft für alles, was wachsen will. Du lässt los. Du atmest. Du bist einfach.
Was die Gartenruhe für uns bedeutet
Für mich als Regenwurm ist ein entspannter Gärtner ein Geschenk. Ihr seid dann achtsamer mit dem Spaten, ihr seht die kleinen Zusammenhänge besser. Wenn ihr lernt zu atmen, lernt ihr auch zu warten. Ihr lasst den Kompost reifen, anstatt ihn zu treiben. Ihr lasst die Natur machen.
Ein Garten, in dem geatmet wird, ist ein lebendiger Garten. Er ist kein Projekt, das fertig werden muss. Er ist ein Partner, der mit euch lebt.

Vielleicht ist der Garten deshalb so wertvoll für euch, weil er keine Ansprüche stellt. Er fragt nicht nach eurem Erfolg oder eurem Geld. Er fragt nur nach eurer Anwesenheit.
Wenn du das nächste Mal draußen bist, bleib einfach einen Moment länger sitzen. Atme ein. Atme aus. Spüre, wie die Erde unter dir dich trägt, ohne dass du etwas dafür tun musst.
Das ist das Wachstum, von dem Eckard immer spricht. Es findet nicht zwischen Decke und Kaffeetasse statt, sondern hier draußen – zwischen dem Einatmen und dem Ausatmen.
Abfall ist oft nur eine Frage der Perspektive.
Und Stress ist oft nur ein vergessenes Ausatmen.
Ich bin hier unten und atme mit euch.
Dein Moment der Erdung
Achtsamkeit lässt sich wunderbar in kleine Handgriffe verpacken. Das nächste Mal, wenn du deinen Pflanzen etwas Gutes tust, nutze es als dein persönliches Ritual. Spüre die Textur unseres natürlichen Düngers, rieche den Duft gesunder Erde und atme dabei bewusst ein und aus, genau so, wie wir es in der 4-7-8-Übung gelernt haben. So nährst du nicht nur deine Pflanzen, sondern auch deine eigene innere Ruhe. Schau in der Wurmstube vorbei und finde alles, was du für dein achtsames Gärtnern brauchst.
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